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Beschäftigung

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Brücken ins Berufsleben. Das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT in Thüringen

Was die Laura nicht kennt, das wird sie nicht? Tatsächlich äußern viele Jugendliche die immer gleichen Wunschberufe, zum Beispiel Verkäuferin und Kfz-Mechaniker. Das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT Thüringen hilft Schulen dabei, ihre Schützlinge über Alternativen aufzuklären. Angesichts des Mangels an Fachkräften etwa in der Lagerlogistik oder in der Altenpflege nützt diese Arbeit auch den Unternehmen – und damit der Gesellschaft insgesamt. Der Europäische Sozialfonds fördert das Netzwerk, in dem sich rund 200 Ehrenamtlichen engagieren. Zu ihnen gehören auch die Geschäftsführerin Anette Morhard und der Vorsitzende des Bereichs Schule Thomas Umbreit.

Die 18 regionalen Arbeitskreise des Netzwerks beraten regelmäßig darüber, wie sich die Ausbildungs- und Studierfähigkeit von Jugendlichen erhöhen lässt. Zudem begleiten sie die Berufswahl junger Menschen.

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen suchen händeringend Azubis. Beste Aussichten für Ihre Schülerinnen und Schüler, oder?

Thomas Umbreit (TU): Richtig ist, dass wir einen Paradigmenwechsel erlebt haben. Mussten in den 90er-Jahren viele ausbildungs- und arbeitswillige junge Leute Thüringen verlassen, steht heute jedem Schüler und jeder Schülerin statistisch gesehen mehr als eine Ausbildungsstelle offen. Das ändert aber nichts an der Aufgabe der Schulen, Jugendliche bei der Berufswahl zu unterstützen. In Deutschland gibt es rund 380 Ausbildungsberufe und rund 19.000 Studienrichtungen und Vertiefungen. Das jeweils Passende zu finden, fällt vielen schwer. Darüber hinaus brechen 20 bis 30 Prozent der Jugendlichen ihre Erstausbildung ab. Die Vorstellungen der Azubis und der Unternehmen scheinen sich also häufig stark zu unterscheiden.

Inwieweit hilft SCHULEWIRTSCHAFT, diese Vorstellungen abzugleichen?

TU: Das ESF-geförderte Netzwerk bietet eine permanente Plattform zum Austausch. Wir Lehrkräfte zeichnen ein realistisches Bild dessen, was an Schulen möglich ist. Die Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft wiederum klären darüber auf, welche Defizite einem erfolgreichen Start in die Ausbildung entgegenstehen. Dieses Wissen nutzen wir im Unterricht, vor allem aber in der beruflichen Orientierung. Jede Schülerin, jeder Schüler sollte spätestens am Ende der 9. Klasse oder nach dem Abitur ein klares Bild vom Wunschberuf haben – und möglichst auch eine Alternative benennen können.

Empfehlen Sie Jugendlichen vor allem jene Berufe, die in der Wirtschaft besonders gefragt sind?

Anette Morhard (AM): Zwar werben wir mit Feuereifer für Bereiche, in denen der Fachkräftebedarf stetig steigt, also vor allem für die Industrie, für unternehmensnahe Dienstleistungen und für die Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Aber eine sichere Zukunftsperspektive ist nur eines von mehreren Kriterien bei der beruflichen Orientierung. Zentral bleiben die individuellen Fähigkeiten und Interessen. Und um diese persönlichen Neigungen überhaupt zu entdecken, brauchen Jugendliche Anregungen und Praxiserfahrungen.

Wie verschaffen Sie Jugendlichen solche Anregungen?

AM: SCHULEWIRTSCHAFT organisiert zum Beispiel regionale Berufsinfomärkte, auf denen sich Betriebe der Region vorstellen, sowie Vorträge von Azubis und Studierenden in Schulklassen. Als besonders sinnvoll erweisen sich immer wieder die Schulpraktika, die Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen im regionalen Netzwerk möglich werden. Laut einer Studie von Allensbach haben 62 Prozent der Mädchen, die sich in einem gewerblich-technischen Beruf ausbilden lassen, ihr Interesse daran während eines mehrwöchigen Praktikums in einem Unternehmen entdeckt. Eine zielgerichtete Förderung und Praxiserfahrung trägt also nachweislich dazu bei, den Fachkräftenachwuchs zu sichern.

TU: Bei uns im Ilm-Kreis hat sich der „Tag im Unternehmen“ etabliert. An jedem ersten Dienstag im November haben Schülerinnen und Schüler die Chance, einen konkreten Beruf in einem Unternehmen ihrer Wahl zu erkunden. Darüber hinaus kooperieren wir als Schule mit der Initiative Erfurter Kreuz e. V. Am traditionellen Tag der offenen Tür unserer Schule können Jugendliche mit Unternehmern und Unternehmerinnen aus der Region Vorstellungsgespräche unter sehr realistischen Bedingungen üben.

Wozu braucht SCHULEWIRTSCHAFT 18 regionale Arbeitskreise?

AM: Der Ausbildungsmarkt unterscheidet sich regional stark – auch innerhalb eines relativ kleinen Bundeslands wie Thüringen. In den Arbeitskreisen treffen sich Ehrenamtliche, die sich mit den Gegebenheiten vor Ort auskennen. Dabei handelt es sich um Vertreterinnen und Vertreter aller Schularten, aller Wirtschaftsbranchen, der Agenturen für Arbeit, der Kammerorganisationen, der Wirtschaftsverbände sowie um Eltern und regional Engagierte.

Womit befassen Sie sich beispielsweise im Ilm-Kreis?

TU: Eine unserer Arbeitsgruppen organisiert den erwähnten „Tag im Unternehmen“ und bereitet ihn nach. Eine andere Arbeitsgruppe pflegt unseren Praktikumskalender, der die Praktikumstermine der weiterführenden Schulen im Ilm-Kreis enthält und allen Unternehmen und Einrichtungen der Region zur Verfügung steht. Im Arbeitskreis selber reicht die Palette der Themen von der Elternarbeit über die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund bis zur Digitalisierung des Lernens. Apropos Digitalisierung: Von Unternehmerinnen und Unternehmern wissen wir, dass es heutzutage relativ überflüssig ist, das traditionelle Ablesen eines Messschiebers mit Nonius zu lernen, da die Messgeräte heute digitale Anzeigen haben. Diese Fertigkeit gehörte an unserer Schule noch vor ein paar Jahren zum Standard.

Und was macht die Landesgeschäftsstelle?

AM: Wir vernetzen die regionalen Arbeitskreise untereinander und mit der Bundesebene, bereiten Tagungen vor, pflegen den Internetauftritt und geben regelmäßig Newsletter und andere Publikationen heraus. All diese Aufgaben sind aufwändig und lagen bisher in den Händen von drei Engagierten: Herrn Umbreit als Vorsitzender Schule, Herrn Gölz als Vorsitzender Wirtschaft und mir selber. Deshalb freuen wir uns, dass wir mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Sozialfonds und der Stiftung Bildung für Thüringen eine feste Stelle schaffen konnten. Seit uns Frau Rüger unterstützt, konnten wir unsere Kommunikation und unsere Angebote noch einmal deutlich professionalisieren. Zudem steht Frau Rüger kontinuierlich als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Weitere Informationen: http://www.schule-wirtschaft-thueringen.de/2.html

  • Bis 2025 braucht Thüringen rund zusätzliche 280.000 Fachkräfte, mehrheitlich aufgrund von Verrentung, aber auch aufgrund der steigenden Nachfrage seitens der Wirtschaft
  • Thüringens Unternehmen meldeten im März 2017 rund 11.000 offene Stellen für Auszubildende
  • Diesem Angebot stehen lediglich 8.000 gemeldete Bewerber gegenüber
  • Besonders große Nachwuchssorgen machen sich beispielsweise das Handwerk, die Metall- und Elektroindustrie und die Sozialwirtschaft
  • Doch auch in einem der beliebtesten Ausbildungsberufe überhaupt bräuchte Thüringen rund 200 Bewerberinnen und Bewerber mehr: Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel (Stand März 2017)

Quelle: Arbeitsmarkt im Frühjahr März 2017, Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

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