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Die nächste Generation der Blutdruckmessung. Redwave Medical macht Patienten zu Profis.

Blutdruck überwachen? Das erledigen viele Patienten zuhause selbst, mit Messgeräten für den Arm. Der Haken: Die Werte der Arm-Arterie stimmen nicht mit dem zentralen Blutdruck am Herzen überein. Die Jenaer Firma Redwave Medical hat eine Messmethode entwickelt, die künftig zuverlässige Diagnosen ermöglicht. So erhalten Patientinnen und Patienten mit Herzkreislauferkrankungen optimale Hilfe. Rückendeckung hat sich Redwave Medical beim Europäischen Sozialfonds geholt, der die Gründungsvorbereitung des Unternehmens mitfinanzierte.

Viele nützliche Gegenstände bleiben anfangs einer Elite vorbehalten. Computer zum Beispiel, aber auch Fernseher und Navigationsgeräte gibt erst seit wenigen Jahrzehnten in jedem Haushalt. Zu den Errungenschaften, über die derzeit ausschließlich Spezialisten verfügen, gehören professionelle Blutdruckmessgeräte. Sie ermitteln nicht den Blutdruck der Arm-Arterie wie die Geräte, die viele Patienten zuhause einsetzen. Vielmehr messen sie den Druck, den das ausströmende Blut an der Hauptschlagader des Herzens – der Aorta – erzeugt. Das ermöglicht eine genauere Diagnose, macht aber in der Regel den Besuch einer kardiologischen Praxis nötig.

Aus der Not eine Geschäftsidee machen

„Geräte, die den Druck in der Aorta messen, kosten mehrere Tausend Euro und gehören nicht zum Standard einer Hausarztpraxis“, sagt Chris Stockmann, Technischer Direktor der Redwave Medical GmbH. „Darüber hinaus ist die Bedienung so kompliziert, dass die Sprechstundenhilfen eigens geschult werden müssen.“ Aus dieser Not hat die Jenaer Firma eine Geschäftsidee gemacht. Redwave Medical entwickelt eine Software, mit deren Hilfe Aorta-Messgeräte handlicher und deutlich preisgünstiger werden. „Unser Ziel besteht darin, dass Patienten ihren zentralen Blutdruck künftig selbst so exakt bestimmen können wie eine kardiologische Praxis“, so Chris Stockmann.

Langjährige Erfahrung in der Medizintechnik

„Wir“, das sind außer Chris Stockmann die Geschäftsführerin Verena Dittrich, ein Diplom-Informatiker sowie der Kardiologe Dr. Johannes Baulmann, der dem Team als externer Berater zur Seite steht. Dittrich und Stockmann haben sich als Mitarbeiter eines medizintechnischen Unternehmens kennengelernt, das sich unter anderem mit der Messung von Herz-Kreislauf-Parametern befasst. Ihre Erfahrungen bringen die beiden Gründer seit Anfang 2016 in die gemeinsame Firma ein: Sie als Vertriebs- und Marketingexpertin, er als Entwickler und Produktmanager.

Anstoßfinanzierung als Sprungbrett

In den ersten zwölf Monaten unterstützte das Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum (ThEx), das mit Förderung aus dem Europäischen Sozialfonds die Angebote für Gründerinnen und Gründer bündelt. „Dank dieser fachlichen und finanziellen Rückendeckung insbesondere über die Gründerprämie konnten wir die Stärken und Schwächen bisheriger Geräte untersuchen, die eigene Software entwickeln, sowie Ärzte und Patienten von unserer Idee überzeugen“, freut sich Verena Dittrich. Das habe eine seriöse Basis für Gespräche mit Investoren geschaffen. Härtetests müsse die Software allerdings nicht nur in den Beratungszimmern potenzieller Geldgeber bestehen. „Es kommt vor allem auch auf wissenschaftliche Studien an“, so Verena Dittrich.

Tests mit Herzpatienten

Für diese Studien konnte Redwave Medical mehrere kardiologische Kliniken in Deutschland gewinnen. Die dortigen Ärzte bitten Patienten, die sich einer Katheteruntersuchung des Herzens unterziehen, zusätzlich als Probanden für die neue Messmethode zur Verfügung zu stehen. Den Ablauf erläutert Chris Stockmann: „Nach der medizinisch notwendigen Untersuchung führen die Ärzte den Katheter kurz vor das Herz. Der damit verbundene Sensor misst den zentralen Blutdruck. Im Anschluss wird dem Patienten eine Manschette angelegt, die den zentralen Blutdruck mithilfe unserer Software noch einmal bestimmt.“ Für die Herzpatienten bedeute das lediglich, dass sich die Untersuchung um ein bis zwei Minuten verlängere, so der Technische Direktor von Redwave Medical.

Geduld und Ausdauer gefragt

Sobald eine hinreichende Zahl Probanden untersucht worden ist, wird ein unabhängiger Studienleiter die Daten des Sensors und der Redwave-Software vergleichen. Stimmen sie überein, hat die neue Methode der Blutdruckmessung eine wesentliche Hürde genommen. Die Ergebnisse sollen gegen Ende 2018 vorliegen. Danach sollen die ersten Geräte mit der neuen Software auf den Markt kommen. Geschäftsführerin Verena Dittrich ist zuversichtlich: „Mehrere Unternehmen der Medizintechnik-Branche haben Interesse an unserer Lösung signalisiert.

Bluthochdruck in Zahlen

  • Bluthochdruck (Hypertonie) ist Risikofaktor Nr. 1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • In Deutschland sind diese Erkrankungen für die meisten Todesfälle verantwortlich
  • jeder dritte Bundesbürger hat Bluthochdruck
  • Bei den 70- bis 79-Jährigen sind drei von vier betroffen
  • Problem nimmt zu, weil Gesellschaft altert

Quelle: Robert-Koch-Institut

Kardiologe Dr. Johannes Baulmann

Genauere Diagnose für passgenaue Therapien

Der Kardiologe Dr. Johannes Baulmann begleitet das Vorhaben von Redwave Medical wissenschaftlich. Seine Motivation verrät der Präsident der Gesellschaft für Arterielle Gefäßsteifigkeit (DeGAG) in einem kurzen Interview.

Was macht das Projekt von Redwave Medical bedeutsam?

Bluthochdruck hat sich in unserer Zivilisation zu einem Phänomen entwickelt, unter dessen gesundheitlichen Folgen weite Bevölkerungsteile leiden und das die Gesundheitssysteme massiv belastet. Zur Lösung gehört Vorbeugung, vor allem gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung. Zur Lösung gehören aber auch passgenaue Therapien. Das Projekt von Redwave Medical trägt dazu bei, die Grundlagen dafür zu verbessern.

Gibt es nicht schon heute gute Therapien?

Grundsätzlich gilt: Werden die Ursachen des Bluthochdrucks früh und richtig erkannt, können wir dank einer Vielzahl wirksamer Medikamente helfen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber gezeigt, dass diese Mittel jeweils unterschiedlich auf den zentralen Blutdruck und auf den Blutdruck des Arms wirken. Im Zweifel sollte der behandelnde Arzt die Werte nahe am Herzen ermitteln, denn von dort geht der Druck aus, der das Gehirn und andere Organe schädigen kann. Bis vor einigen Jahren war dazu stets eine Herzkatheteruntersuchung notwendig. Alternativ setzen wir heute Messgeräte ein, die ohne Katheter auskommen.

Das genügt noch nicht?

Die Software aus Jena wird die Technologie aus den kardiologischen Spezialpraxen in die Wohnzimmer der Patienten bringen. Das ermöglicht es, den zentralen Blutdruck kontinuierlich zu überwachen. Ich begleite dieses medizinisch wichtige Vorhaben gerne fachlich und bin dankbar dafür, dass unter anderem der Europäische Sozialfonds finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt hat.

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