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Bildung

ERFOLGREICH SCHWÄCHERE SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER FÖRDERN.

Meine Schule, mein Coach: Das Projekt „Keiner ohne Abschluss“ fängt potenzielle Schulabbrecher auf

Keine Lust mehr auf Lernen? Die Schule „Am Kiliansberg“ holt Kinder und Jugendliche aus dem Motivationsloch. Gemeinsam mit zwei weiteren Regelschulen in Meiningen und Bettenhausen hat sie das Projekt „Keiner ohne Abschluss“ gestartet. Eigens eingestellte Coaches unterstützen dabei, die Zahl der Schulabbrüche zu senken. Ihr Gehalt beziehen die Coaches aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Wer die Schule ohne Abschluss verlässt, hat es auf dem Arbeitsmarkt schwer und geht das Risiko ein, im sozialen Abseits zu landen. Jugendlichen erscheint diese Aussicht allerdings häufig fern und abstrakt, weil sie in der Pubertät andere Prioritäten setzen. „Anerkennung in der Clique erscheint wichtiger als die Schule, ein Beruf, der Freude macht, oder ein erfülltes Leben“, beobachtet Dr. Alexandra Groh, Geschäftsführerin des Bildungsträger Meiningen e.V. (BTM). „Und insbesondere in sozialen Brennpunkten stützen sich Mädchen und Jungen oft gegenseitig in der Ansicht, cool sei jemand, der alles schleifen lässt.“

Sarah Schmidt
Sarah Schmidt, Lerncoach

Jedes Jahr drei, vier Schulabbrüche

In einem solchen Brennpunkt liegt die Staatliche Regelschule „Am Kiliansberg“ in Meiningen, deren Träger der BTM ist. Jahr für Jahr erleben die Lehrkräfte, dass vier oder fünf Jugendliche die Schule abbrechen. Das entspricht beinahe einem Zehntel aller Schulabgänger. Als sich die Möglichkeit ergab, eine Förderung des Europäischen Sozialfonds zu beantragen, stand für Direktorin Christina Albrecht fest: Wir können mehr gegen diese Schulabbrüche tun als bisher.

Direktorin Christina Albrecht
Direktorin Christina Albrecht
Coaches

Coaches für drei Aufgabenbereiche

Gemeinsam mit zwei weiteren Schulen in BTM-Trägerschaft entwickelte die Regelschule „Am Kiliansberg“ das Projekt „Keiner ohne Abschluss“. Es sieht vor, gefährdeten Schülerinnen und Schülern Coaches zur Seite zu stellen. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilen sich drei Aufgabengebiete: Lerncoaches schalten sich ein, wenn der Unterrichtsstoff einen jungen Menschen überfordert. Personalcoaches werden aktiv, wenn emotionale Probleme dem Lernen entgegenstehen. Integrationscoaches kümmern sich um Schülerinnen und Schüler aus Zuwanderfamilien, begleiten also beispielsweise den Spracherwerb und helfen, sich in der fremden Umgebung zurechtzufinden.

Früh eingreifen, individuell helfen

Den Kontakt stellen oft die Lehrkräfte her. „Die Kollegen spüren früh, ob sich einer ihrer Schützlinge innerlich von der Schule verabschiedet“, sagt Christina Albrecht. Indizien dafür seien keineswegs nur schlechtere Noten. Häufig beginne es damit, dass ein Schüler oder eine Schülerin kaum noch Hausaufgaben erledigt, pampige Antworten gibt, sich auf dem Pausenhof teilnahmslos verhält oder bestimmte Schulstunden schwänzt.

Immer häufiger suchen Schülerinnen und Schüler das Gespräch aber auch von sich aus, freut sich Christina Albrecht. „Die Hürde, einen Coach anzusprechen, ist niedriger als beispielweise auf die Klassenlehrerin zuzugehen.“ Im Verhältnis zu Lehrkräften schwinge stets mit, dass sie Leistungen einfordern und Noten vergeben, erläutert die Schulleiterin. Die Coaches hingegen hätten sich bei den Schülerinnen und Schülern schnell als neutrale Gesprächspartner etabliert.

 

Gespräch mit Schülerinnen und Schülern
Gespräch im Trainingsraum

Gespräche im Trainingsraum

Insgesamt arbeiten an den drei Schulen sieben Coaches. Eine von ihnen ist Kristin Schnabel. Die Diplom-Pädagogin verantwortet als Personalcoach den sogenannten Trainingsraum der Schule „Am Kiliansberg“. „Wenn ein Schüler den Unterricht stört oder das Gefühl hat, nicht mitzukommen, dann kann ihn die Lehrkraft an mich überweisen“, so Kristin Schnabel. Dazu diene ein Formular mit einem knappen Vermerk, wieso der Schüler das Klassenzimmer verlassen durfte. Im Gespräch ergründet Personalcoach Schnabel die Ursachen. „Das Spektrum reicht von Missverständnissen zwischen Lehrerin und Schüler über Konflikte mit anderen Jugendlichen bis hin zu häuslichen Problemen.“

Anschließend schlägt Kristin Schnabel Lösungen vor, für die sie je nach Situation beispielsweise die Schulbezogene Jugendsozialarbeiterin Antje Liebold oder die Eltern hinzuholt. Oder sie bittet Lerncoach Sarah Schmidt, den Schüler oder die Schülerin zu übernehmen. Das geschieht beispielsweise, wenn sich vermeintliche Konzentrationsprobleme als vorgeschoben herausstellen und der Schüler im Grunde vor allem Unterstützung beim Lernen braucht.

Freizeit jenseits des Smartphones

„Das übergeordnete Ziel unserer Coaches ist es, dass Schülerinnen und Schüler ihre Stärken erkennen, mit ihren Schwächen umgehen lernen, Kompetenzen entwickeln, ihren Blick für die Vielzahl ihrer Möglichkeiten öffnen und vor allem wieder Lust aufs Lernen bekommen“, fasst Dr. Alexandra Groh vom Bildungsträger Meiningen e.V. zusammen. So erklärt sich, wieso die drei Schulen des Projekts „Keiner ohne Abschluss“ auch Freizeit mitgestalten.

Schulreform von unten

Die bisherigen Reaktionen auf „Keiner ohne Abschluss“ empfindet Direktorin Christina Albrecht als ermutigend. „Manche Jugendliche kommen wieder gern in die Schule, weil sie dort ihren Lieblingscoach treffen. Und manche Eltern fragen regelmäßig, wann es die nächste Veranstaltung gibt.“ Für die Schulleiterin hat das Projekt deshalb schon jetzt Modellcharakter. Was die drei Schulen und ihr Träger dank ESF-Förderung gestalteten, das trage Züge einer Schulreform von unten. „Wir Pädagoginnen und Pädagogen sind es, die täglich mit Jugendlichen zu tun haben. Die Politik sollte uns viel öfter einbeziehen, wenn es um praktische Lösungen für Probleme an unseren Schulen geht.“

Prioritätsachse C

Investitionen in Bildung, Ausbildung und Berufsbildung für Kompetenzen und lebenslanges Lernen

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