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Bildung

ENGAGIERT. SOZIAL. FREIWILLIG.

„Bei uns geht es um den Dienst am Menschen“ – junge Freiwillige beim Deutschen Roten Kreuz.

Das Deutsche Rote Kreuz – da denkt so mancher spontan an Rettungswagen und ambulante Pflegedienste. Wie weit die Leistungen des DRK darüber hinausgehen, erleben in Thüringen pro Jahr etwa 120 junge Menschen während eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ). Gefördert unter anderem vom Europäischen Sozialfonds probieren die Freiwilligen, ob ihnen die Arbeit beispielsweise in einer Grundschule, in der Kindertagesstätte oder im Krankenhaus liegt. Als Ansprechpartner stehen Annett Dorniok und ihr Team zur Verfügung.

Annett Dorniok
Annett Dorniok leitet das Referat Kinder-, Jugend- und Familienhilfe/FSJ beim Deutschen Roten Kreuz in Thüringen. Zu ihren Aufgaben gehört es, den Einsatz junger Menschen in einem Freiwilligen Sozialen Jahr zu organisieren.

Frau Dorniok, für wen kommt ein FSJ beim Deutschen Roten Kreuz infrage?

Ob im pflegerischen, pädagogischen oder hauswirtschaftlichen Bereich: Beim DRK geht es um den Dienst am Menschen. Junge Frauen und Männer, die sich diesen beruflichen Weg vorstellen können, lernen in einem Freiwilligen Sozialen Jahr die Praxis kennen. Meistens gelingt es, die Freiwilligen in ihrem Berufswunsch zu stärken, was uns sehr freut.

Pflege
künftige Grundschullehrer

Unter den Freiwilligen beim DRK sind unter anderem künftige Grundschullehrer (siehe unten). Das klingt überraschend.

Das DRK genießt als freier Träger der Wohlfahrtspflege einen guten Ruf. Deshalb übertragen uns viele Landkreise und Kommunen die Verantwortung für das Freiwillige Soziale Jahr. Damit geht einher, dass wir uns auch um junge Menschen kümmern, die vor ihrem Studium herausfinden möchten, ob ihnen ein pädagogischer Beruf liegt.

Was hat das DRK davon, dass junge Frauen und Männer sich ausprobieren dürfen?

Das FSJ ist ein Geben und Nehmen. Die Freiwilligen erwerben Fähigkeiten für ihr späteres Berufsleben und verbessern ihre Aussichten, eine Ausbildungsstelle bei ihrem Wunscharbeitgeber oder einen Platz an der Hochschule ihrer Wahl zu bekommen. Im Gegenzug verstärken sie unsere Teams und übernehmen nach und nach mehr Aufgaben und Verantwortung.

Verantwortung

Das lässt sich auch über Praktika sagen, oder?

Freiwillige lernen mehr als Praktikanten. Das liegt schon allein an der Dauer ihres Aufenthalts. Vor allem aber verläuft ein FSJ in der Regel deutlich strukturierter als ein Praktikum. Wir schreiben mit den Freiwilligen konkrete Ziele fest, die wir regelmäßig überprüfen. Dabei geht es neben fachlich-praktischen Fähigkeiten auch um soziale Kompetenzen und die Entwicklung der Persönlichkeit.

Darüber hinaus organisieren wir bei einem zwölfmonatigen Einsatz mindestens 25 Seminartage und zahlen eine Art Gehalt. Für 85 unserer 120 Freiwilligen kommt dieses Geld anteilig vom Europäischen Sozialfonds und vom Freistaat Thüringen. Dafür sind wir sehr dankbar. Denn ohne Förderung könnten es sich viele FSJ-Einsatzstellen nicht leisten, Freiwillige zu beschäftigen.

Seminar

Wozu dienen die Seminare?

In den Seminaren reflektieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Arbeit, bauen soziale Beziehungen auf und lernen voneinander. Jede Gruppe besteht aus 20 bis 25 Freiwilligen aller Einsatzbereiche und bleibt von Beginn bis Ende des FSJ zusammen. Ein wesentliches Merkmal der Seminare ist, dass die Freiwilligen sie mitgestalten.

Was tun Sie, wenn ein FSJ einmal nicht läuft wie geplant?

Unsere Einrichtungen wählen ihre Freiwilligen selbst aus und verfügen über das Know-how, die jungen Menschen zu führen und individuell zu beraten. Deshalb kommt es selten vor, dass wir als Landesverband Konflikte schlichten müssen. Eher geht es um organisatorische Fragen.

Ein Beispiel: Eine Freiwillige möchte früher aus dem FSJ ausscheiden, weil sie einen Studienplatz bekommen hat. Dann sorgen wir dafür, dass sie ihr verkürztes FSJ erfolgreich abschließen und unsere Einrichtung die fehlenden Kapazitäten ausgleichen kann.

Infos zum Freiwilligen Sozialen Jahr / Thüringen Jahr beim Deutschen Roten Kreuz

Im Freistaat ist das Freiwillige Soziale Jahr auch als Thüringen Jahr bekannt. Das Angebot richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber, die

  • zwischen 16 und 26 Jahre alt sind
  • die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben
  • eine Ausbildung beziehungsweise ein Studium in der Pflege, Pädagogik oder Hauswirtschaft erwägen
  • sich gern gemeinsam mit anderen für Menschen engagieren

Mögliche Einsatzorte

  • Alten- und Pflegeheime
  • Sozialstationen/ambulante Dienste
  • Kindertagesstätten
  • Kinder- und Jugendwohnheime
  • Betreutes Wohnen für Jugendliche
  • Jugendverbandsarbeit
  • Grund- und Förderschulen
  • Einrichtungen der Behindertenhilfe
  • Mutter-Kind-Kurhaus
  • Krankenhäuser
  • Dialysezentrum
  • DRK-Kreisverbände (zum Beispiel Blutspende, Erste-Hilfe-Ausbildung, Fahrdienst, Hausnotruf)

Dauer

mindestens 6, gewöhnlich 12, maximal 18 Monate

Weitere Informationen

Unvergesslich: Kristin Wiemuths FSJ im Kindergarten

Kristin Wiemuth

„Schon mit 14 wusste ich, dass ich mit Kindern arbeiten möchte. In der Oberstufe kam der Wunsch hinzu, statt einer Ausbildung ein Studium zu absolvieren. Genau das tue ich seit April 2017: Ich studiere an der Fachhochschule Erfurt Kindheitspädagogik.

Laut Studienordnung müssen Bewerber dafür ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Kinderbetreuung nachweisen.

Zwar dauert ein FSJ mindestens sechs Monate, während ein Pflichtpraktikum schon nach drei Monaten anerkannt wird. Trotzdem fiel meine Wahl auf das FSJ. Ich wollte meine Zeit bis zum Studium so sinnvoll wie möglich nutzen.

Aus meinen Recherchen wusste ich, dass FSJler in der Regel mehr Verantwortung übernehmen dürfen als Praktikanten. Außerdem beziehen sie eine Art Gehalt, während Pflichtpraktikanten häufig bloß eine Aufwandsentschädigung bekommen. Ich bin dankbar dafür, dass der Europäische Sozialfonds diese Bezahlung ermöglicht. So war ich finanziell unabhängig. Außerdem hat mir das Gehalt das Gefühl vermittelt, dass meine Leistung zählt.

 

Meine Erwartungen an das FSJ haben sich im DRK-Kindergarten mehr als erfüllt, weil ich von Anfang an voll eingebunden war und die Erzieherinnen unterstützen konnte. Ich habe unter anderem gelernt, Konzepte zu schreiben und war an allen Planungen beteiligt. Meine Kolleginnen aber auch die Eltern haben mich wie eine vollwertige Kraft behandelt. Auch das DRK hat mich die ganze Zeit über unterstützt. Die Seminare während des FSJ waren beispielsweise eine gute Vorbereitung auf das Studium.

Das FSJ hat meinen Berufswunsch gefestigt. Kinder zu betreuen, mit ihnen zu malen, spazieren zu gehen und zu spielen – das ist genau, was ich will. Unvergesslich bleibt für mich ein Fest zum Jubiläum des Kindergartens. Dafür hatte ich ein Lied geschrieben und mit den Kindern geprobt. Den Moment, in dem wir es gemeinsam vor allen sangen, werde ich nicht vergessen.“

Prioritätsachse C

Investitionen in Bildung, Ausbildung und Berufsbildung für Kompetenzen und lebenslanges Lernen

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Sie wollen sich auch aus dem ESF fördern lassen – hier geht’s zur Richtlinie zum Thüringer Jahr.

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